Noch immer außer Atem
50 Jahre hat der Film mittlerweile auf der Buckel und ist naturgemäß längst zum Klassiker avanciert. Kürzlich erschien die Blu-Ray-Version des Streifens.
Der Film ist einer der prominentesten und legendärsten Vertreter der Nouvelle Vague, der Bewegung junger französischer Regisseure, die Ende der 1950er Jahre begann. So passt es zum Legendenstatus des Films eigentlich ganz gut, dass gleich die beiden berühmtesten Vertreter der neuen Welle des französischen Films an „À Bout de Souffle“ beteiligt waren: Jean-Luc Godard UND François Truffaut. Letzterer hatte durch einen Zeitungsbericht über den Mord an einem Polizisten eine Geschichte geschrieben, aus der ersterer das Drehbuch für seinen Film schmiedete. Erzählerisch ist es einer der leichtfüßigsten Filme Godards. Trotz oder womöglich auch gerade wegen der filmtechnischen Neuerungen – „Außer Atem“ war stilistisch und erzählerisch ganz weit vorne. Dies entsprach zwar den Forderungen der Nouvelle Vague nach der Abkehr von der Vorhersehbarkeit des Kinos, war aber zum Teil aus der Not heraus geboren. So gilt Godard – und zwar just durch diesen Film – als Erfinder der revolutionären Technik des Jump Cut; einer Technik, die er anwandte, um sich aus dem Dilemma heraus zu manövrieren, dass ihm für den auf zwei Stunden angelegten Film auf einmal nur noch drei Viertel der Zeit zugestanden wurden. Er musste die Zeit also raffen; mit wenigen Bildern genau so viel erzählen. Der Jump Cut war freilich nicht der einzige Bruch mit den Konventionen des Kinos. So war es ebenfalls neu, nicht im Studio zu drehen, sondern „vor Ort“, sprich: an den Originalschauplätzen. Die durch den Existentialismus beeinflusste Geschichte um den Kleinkriminellen Macho Michel Poiccard und seine seltsame Liebesbeziehung zur kurzhaarigen, fortschrittlichen doch verunsicherten amerikanischen Studentin Patricia Franchini ist über weite Strecken mit Handkamera gefilmt und zum Teil wurden die Dialoge erst während des Drehs geschrieben.