Sie jammten ökono
Die Minutemen waren eine erstaunliche Band. Die kalifornischen Post-Punk-Pioniere existierten von 1979 bis zum Tode des Sängers und Gitarristen D. Boon 1985 und beeinflussten die amerikanische Alternative-Szene wie nur wenige. Auf DVD gibt es den gefeierten Film „We Jam Econo“, der die Geschichte der Band nachzeichnet.
1978 gründeten die Schulfreunde Mike Watt, D. Boon und George Hurley zusammen mit Martin Tamburovich die Gruppe „The Reactionaries“, die ein Jahr später ohne Tamburovich, der die Band fürderhin als Roadie begleitete, zu den Minutemen werden sollte. Boon und Watt lernten sich im Alter von 13 Jahren kennen, als Mike Watt durch einen Park ging und Boon, der Soldat spielte aus einem Baum auf ihn herauf fiel. Die beiden wurden beste Freunde und hatten eine erste Band mit Boons Bruder Joe an den Drums. Die Aufgabenverteilung sah so aus, dass Boon von seiner Mutter das Gitarrenspiel erlernte, während Watt den Bass zugeteilt bekam, von dem er zunächst gar nicht so genau wusste, was das für ein Instrument war: was er von Plattencovers wusste, war, dass die meisten Bands einen Bassisten hatten (nur die Doors und die Seeds nicht), dass er aussah wie eine Gitarre, aber nur vier Saiten hatte. Man sagt, Watt habe zunächst die Stimmmechaniken für eine Vorrichtung gehalten, die nicht dazu gut sei, die Tonhöhe einzustellen, sondern die Saitenspannung dem Geschmack des Nutzers anzupassen. Trotz dieser anfänglichen Schwierigkeiten wurde er ein begnadeter Bassist, der sein Instrument zugleich rhythmisch und melodiös spielte und weidlich von der seit Punk wichtiger gewordenen Rolle des Bassisten Gebrauch machte.
Der Name
„Minutemen“ war einer der Namen auf einer Liste, die Mike Watt geschrieben hatte, und den Boon von ihr aussuchte. Es gab unterschiedliche Ideen hinter dieser Bezeichnung. Tatsächlich sind viele Lieder der Gruppe nicht viel länger als eine Minute; aber auch die Größe der Band wird damit bezeichnet, denn nicht nur die Lieder waren von überschaubarem Umfang, die Band bestand auch nur aus drei Mitgliedern. Und „minute“, das heißt im Englischen auch winzig. Daneben gab es noch die historischen Minutemen, eine antikommunistische Organisation. Boon und Watt waren angetan von der Idee, sich als dezidiert linke Band nach einer rechten Gruppe zu benennen, und die Bedeutung des Begriffs „Minutemen“ zu destabilisieren.
Die Musik
Die Minutenmänner spielten Musik, die sicherlich von Punk beeinflusst war, diesen Begriff aber für sich ablehnte, auch wenn sie sich in der Punkszene bewegten. Und tatsächlich haben sie wenig mit Punkrock zu tun, produzierten aber auf ähnliche Weise, d.h., schnell und kostengünstig – daher auch der Ausspruch „we jam econo“, also „wirtschaftlich“. Ihr Sound war zugleich funky (aber keine Tanzmusik) und punk und griff Elemente verschiedener Stilrichtungen auf, z.B. der Mariachi-Musik.